PAH Nuklearmedizin II

SCHILDDRÜSENZENTRUM MÜNCHEN

Dr. med. Werner Kanitz
Dr. med. Susanne Weismüller
Dr. med. Christian Laubenbacher

 

 GP Alter Hof Logos Gesamt DUNKEL 2013 10 Kardiologie Nuklearmedizin Hypertonie Endokrinologie Lipidologie Kardiologie

Schilddrüsendiagnostik

Fotolia 33208673 XSDie Schilddrüse ist ein hormonbildendes Organ in Form eines Schmetterling, das im vorderen Halsbereich liegt. Das kleine Organ beeinflusst nahezu unseren ganzen Organismus, das Herz-Kreislauf-System, den Magen-Darmtrakt, die Muskeln und Knochen und auch die Psyche.  

Nach neuesten Studien weist jeder dritte Erwachsene in Deutschland eine krankhafte Veränderung der Schilddrüse auf. Jeder vierte hat Knoten in der Schilddrüse.
Die Ursache hierfür ist vor allem Jodmangel sowie eine genetische Disposition. Deutschland gehörte über einen langen Zeitraum zu einem Jodmangelgebiet. Aktuell ist die Jodversorgung jedoch grenzwertig gut. Ursache hierfür ist eine zunehmende Verwendung von jodiertem Speisesalz und der Jodierung von Tierfutter.

Schilddrüsenerkrankungen können Veränderungen an der

  • Form, Größe, Gestalt (z.B. Vergrößerung, Knoten, Zysten, etc.) und
  • Funktion (normale Funktion, Über- bzw. Unterfunktion) bedingen

Wobei erst genannte Veränderungen ursächlich sind für lokal-mechanische Beschwerden (Kloßgefühl, Schluckbeschwerden, etc.) und letztere für Allgemeinsymptome.

Beschwerden durch eine Schilddrüsenerkrankung können durch die Größenzunahme, durch eine Funktionsstörung oder durch eine Kombination beider Komponenten verursacht werden.

Die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen in einem Jodmangelgebiet sind:

  • Euthyreote Struma diffusa (Schilddrüsenvergrößerungen ohne Knoten und ohne Funktionsstörung)
  • Euthyreote Struma nodosa (Schilddrüsenvergrößerungen mit kalten Knoten und/oder zystischen Veränderungen, aber ohne Funktionsstörung)
  • Autonomie der Schilddrüse (umgangssprachlich auch "heiße Knoten" genannt)
  • Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Erkrankung)
  • Autoimmunhyperthyreose (Morbus Basedow)

Darüberhinaus schein ein Jodmangel auch die Enstehung von Schilddrüsenkrebs zu begünstigen. In Deutschland erkranken ca. 8 von 100.000 Menschen pro Jahr an Schilddrüsenkrebs (ca. 1% aller Krebserkrankungen). Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Ein Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs) kann im jeden Lebensalter auftreten (Erkrankungsgipfel 5. - 60. Lebensjahr).

Besondere Beachtung verdient die Schilddrüse in folgenden Lebensabschnitten:

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1. Schwangerschaft und Stillzeit
In enger Zusammenarbeit mit Gynäkologen und Kinderwunschzentren betreuen wir Patientinnen mit Kinderwunsch sowie Schwangere und Mütter in der Stillzeit.

2. Kindheit und Jugend
Im Kindes- und Jugendalter sind alle bekannten Schilddrüsenerkrankungen möglich. Jodmangelerkrankungen – Ausbildung einer Struma (eines Kropfs) – sind aufgrund der verbesserten Jodversorgung eher selten.

Häufiger sind dagegen Unter- und Überfunktionen, meist als Folge einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung wie der Hashimoto-Thyreoiditis. Insbesondere im Rahmen der seit 1998 eingeführten J1 (Jugendgesundheitsuntersuchung) fallen zunehmend Funktionsstörungen der Schilddrüse auf. Die Erkrankungshäufigkeit liegt in Westeuropa bei 1 - 2 Prozent der Gesamtbevölkerung; subklinische Verläufe sind häufiger und liegen im Bereich von 6 - 8 Prozent. Oft geht die Hashimoto-Thyreoiditis mit anderen Autoimmunerkrankungen wie einem Typ-1-Diabetes einher. Mädchen erkranken im Allgemeinen früher als Jungen. Auch werden Veränderungen der Form, Größe, Gestalt (z.B. Vergrößerung, Knoten, Zysten, etc.) früher diagnostiziert.

Als Therapien stehen grundsätzlich zur Verfügung:

  • Medikamente zur Behandlung der Schilddrüsenvergrößerung (normale Funktion):
    Jodid, Schilddrüsenhormonen oder eine Kombination SD-Hormon und Jodid
  • Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion:
    SD-Hormone
  • Medikamente zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (zeitlich begrenzt; keine Dauerlösung!):
    Thyreostatika, z.B. Carbimazol, Propycil
  • Schilddrüsenoperation
  • Radiojodtherapie

 

Typischer Ablauf einer Schilddrüsenuntersuchung

IMG 4851Eine typische Erstuntersuchung besteht aus folgenden Teilen:
Befragung des Patienten (Anamnese) und körperliche Untersuchung:
Der Patient wird ausführlich über seine aktuellen Beschwerden befragt (Schilddrüsen-Fragebogen). Gezielt wird abgeklärt, ob Beschwerden durch eine Volumenzunahme der Schilddrüse (Kloßgefühl, Schluckbeschwerden, Kurzatmigkeit) bzw. eine Funktionsstörung vorliegen.

Mögliche Symptome bei einer
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):
Gewichtsabnahme, Haarausfall, vermehrtes Schwitzen, Wärmeintoleranz, Durchfall, beschleunigter Puls, Herzrhythmusstörungen, ein erhöhter Blutdruck, Nervösität, Unruhe, Zittern, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, Sexual-und Regelblutungsstörungen

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose):
Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und Haare, Antriebsarmut, depressive Stimmungslage, verlangsamter Puls, Sexual-und Regelblutungsstörungen

Zusätzlich werden Fragen zur Vorgeschichte (bezüglich der Schilddrüse und weiterer Erkrankungen) gestellt und eine familliäre Disposition bezüglich einer Schilddrüsenerkrankung abgefragt.

Des Weiteren ist es wichtig zu Wissen, welche Medikation aktuell besteht, da einige Medikamente die Funktion der Schilddrüse beeinflussen.

Im Anschluss wird der Hals abgetastet, um eine Vergrößerung und mögliche Knoten in der Schilddrüse zu erfassen.

 

IMG 5162Ultraschalluntersuchung:

Sie werden daraufhin gebeten, sich zu einer Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse auf eine Liege zu legen. Nachdem zunächst Ultraschallgel auf die Haut aufgebracht wird, erfolgt im Anschluss die Vermessung der Größe der Schilddrüse und eine Beurteilung der Binnenstruktur (Knoten?, Hinweise für eine Schilddrüsenentzündung?).
Nachgewiesene Knoten werden dann in drei Ebenen vermessen und bezüglich der sonographischen Kriterien für Bösartigkeit überprüft.
Mittels Duplexsonographie zur Beurteilung der Durchblutung und Elastographie, die die Gewebskomprimierbarkeit ermittelt (Tumorgewebe häufig anders kompressibel; fester, derber als gesundes Gewebe), haben wir zusätzliche Möglichkeiten, gutartige von bösartigen Schilddrüsenknoten zu unterscheiden.
Achtung: Individuelle Gesundheitsleistung (IGEL).

 

 

Blutuntersuchung:

IMG 4739Wir verfügen über eigenes RIA (Radioimmunoassay) - Labor. In diesem bestimmen wir, zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion, die Schilddrüsenhormonwerte sowie ggf. weitere spezieller Werte wie z. B Schilddrüsenautoantikörper (Thyreoglobulin-Antikörper, Antikörper gegen die thyreoidale Peroxidase und TSH-Rezeptor-Antikörper), Tumormarker (humanes Thyreoglobulin, Calcitonin) und ggf. weitere Laborparameter.
Zur Beurteilung der Nebenschilddrüsenfunktion werden ggf. der Serum-Calcium-, Parathormon-, Phosphat- und Vitamin-D Spiegel bestimmt.

 

Schilddrüsen-Szintigraphie:

iMG 4235Zur weiteren Abklärung von SD-Knoten > 1 cm oder einer möglichen Funktionsstörung wird, nach Erhebung der gesetzlich vorgeschriebenen Strahlenanamnese, eine Schilddrüsen-Szintigraphie angeboten.

Die Methode ermöglicht die funktionelle Beurteilung der gesamten und regionalen Schilddrüsenfunktion, eine Aussage über die Funktion der sonographisch nachgewiesenen Knoten > 1 cm (hypofunktionelle "kalte" Knoten, hyperfunktionelle "heiße Knoten") und eine Bewertung der funktionellen Relevanz einer möglichen Schilddrüsenautonomie ("ist eine definitive Therapie notwendig"?).

Hierzu werden ca. 75 MBq (Becquerel = Einheit der Aktivität eines radioaktiven Stoffes) Technetium (Tc)-99m Pertechnetat (einer schwach radioaktiven Substanz) in eine Ellenbogenvene injiziert. Diese Substanz wird von SD-Zellen wie Jodid aufgenommen. Nach 20-minütiger Wartezeit werden Sie vor eine spezielle Kamera gesetzt, die von Ihrer Schilddrüsenfunktion ein Bild aufnimmt (Dauer ca. fünf Minuten). Hierzu benutzen wir in unserer Praxis eine spezielle Kleinfeldkamera, mit der die Aufnahmen im Sitzen erfolgen, so dass das von manchen Patienten als beängstigend empfundene Liegen unter einer großen Kamera entfällt.

Bild einfügen Kleinfeldkamera und Schilddrüsenszintigramm

Zur Vorbereitung bitte beachten:

  • Bitte 4-6 Wochen vor der Untersuchung keine stark iodhaltigen Medikamente (z.B. jodhaltige Röntgenkontrastmittel, Aminodarone, jodhaltige Desinfektionsmittel, jodhaltige Augentropfen) einnehmen
  • Absetzen von Perchlorat 2-3 Tage vor der Szintigraphie

Unter einer Jodid-Medikation (bis 200 µg Iodid täglich) ist die Szintigraphie eingeschränkt beurteilbar, aber möglich!

Die Strahlenbelastung durch die Schilddrüsenszintigraphie ist gering. Zum Vergleich: Auf der Erde sind wir jeden Tag einer energiereicher, ionisierender Strahlung ausgesetzt (kosmische Strahlung, Erdstrahlung, Strahlung durch natürliches Radongas und auch aus der Nahrung). Unsere Reparatur- und Abwehrmechanismen bewirken, dass die natürliche Strahlenexposition keine schädlichen Folgen hat. In Deutschland beträgt sie je nach Wohnort durchschnittlich 2,1 mSv pro Jahr.

Strahlenbelastung einer Schilddrüsenszintigraphie mit 75 MBq Tc-99m-Pertechnetat = effektiven Dosis von etwa 1 mSv

 

Feinnadelpunktion zur zytologischen Abklärung:

Eine Feinnadelpunktion (FNP) aus der Schilddrüse kann aus zweierlei Absichten erforderlich werden:
1. Diagnostisch: um zwischen gut- und bösartigen Veränderungen zu unterscheiden
2. Therapeutisch: um flüssigkeitsgefüllte Knoten zu verkleinern bzw. Zysten zu entleeren.
Wie der Name schon sagt, wird bei der Feinnadelpunktion eine sehr dünne Nadel benutzt. Da in aller Regel nur ein Einstich nötig ist, wird keine örtliche Betäubung durchgeführt (für welche man mindestens zwei Einstiche bräuchte). Von den meisten Patienten wird die Feinnadelpunktion nicht schlimmer als eine Impfung empfunden. Nach Absaugen von Zellmaterial wird dieses zur feingeweblichen Untersuchung eingeschickt. Das Ergebnis liegt meist nach zwei bis drei Arbeitstagen vor.
Eine - von Patienten oft befürchtete - Verschleppung von bösartigen Zellen durch die FNP wurde bis dato nie berichtet und ist aufgrund der direkten Lage der Schilddrüse unmittelbar unter der Haut auch theoretisch äußerst unwahrscheinlich.

Wir bitten Sie den ausgefüllten Aufklärungsbogen zu Feinnadelpunktion am Untersuchungstag unterschrieben mitzubringen!

feinnadelpunktion

Ihr behandelnder Arzt erhält ca. einer Woche nach der Behandlung einen ausführlichen Arztbrief, der die gesamten Untersuchungsergebnisse zusammenfast und eine Therapieempfehlung sowie Angaben über den zeitlichen Rahmen von möglichen Kontrolluntersuchungen enthält.

 

Bitte denken Sie daran, dass wir für die Untersuchung einen aktuellen Überweisungsschein brauchen, falls Sie gesetzlich versichert sind.

Kontakt

PRAXIS ALTER HOF MÜNCHEN
Dienerstraße 12 · 80331 München
Tel. 089 2166918 - 0
info@praxis-alter-hof.de

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